Fake News im Unterricht behandeln

Schülerinnen und Schüler zukunftsfest zu machen, heißt auch, dass sie zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden. Dazu gehören ein verantwortlicher Umgang mit Informationen im Netz und die Fähigkeit, Falschmeldungen zu erkennen.

Fake News Tafel

Der Medienpädagoge Dieter Baacke definierte die Medienkritik als die erste von vier Dimensionen von Medienkompetenz. Demnach ist die Fähigkeit, die Verlässlichkeit von in den Medien verbreiteten Informationen zu beurteilen, eine grundlegende Kompetenz für Jung und Alt. Dazu gehört etwa, sich zu überlegen, mit welcher (vielleicht versteckten) Absicht jemand eine Information verbreitet und welche Aspekte er oder sie dabei gegebenenfalls übertreibt oder verschweigt. Als Baacke den Begriff der Medienkompetenz prägte und einführte – das war in den 1990er Jahren – sah die Medienlandschaft freilich anders aus als heute. Er bezog sich auf Printmedien sowie die „neuen“ elektronischen Medien Radio und Fernsehen.

Medienkritik in der digitalen Welt

Heute finden (politische) Meinungsbildung und gesellschaftlicher Diskurs zu einem großen Teil online statt. Informationen werden nicht mehr hauptsächlich von journalistischen Redaktionen bereitgestellt oder verbreitet, sondern Jede und Jeder kann sich in Social Media, in Kommentarbereichen oder auf eigenen Online-Plattformen daran beteiligen. Die Grenze zwischen RezipientInnen und ProduzentInnen von Content verschwimmt. Das bedeutet einerseits eine große Demokratisierung und Internationalisierung. Nie war es so leicht, den öffentlichen Diskurs mitzugestalten und sich über Ländergrenzen hinweg auszutauschen.

Andererseits macht es Medienkritik schwieriger. Wir haben es heute mit einer ungleich größeren Fülle an Informationen zu tun. Allgemeine (Qualitäts-)Filter, etwa dass Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden müssen, bevor sie veröffentlicht werden, fallen oft weg. Andere, individuellere Filter treten an ihre Stelle. Algorithmen sorgen dafür, dass wir bevorzugt Informationen finden, die unseren persönlichen Interessenprofilen entsprechen. In solchen „Filterblasen“ ist die Gefahr größer, dass sich Falschinformationen und Halbwahrheiten verfestigen. Und letztlich können sich Nachrichten auf digitalen Wegen deutlich schneller und weiter verbreiten.

Um in dieser veränderten Situation den Wahrheitsgehalt von Nachrichten beurteilen zu können, braucht es teils neue Kompetenzen. Zentral ist ein Verständnis für digitale Verbreitungswege von Informationen und mögliche Beweggründe und Tricks derer, die sie aussenden. Da diese Kompetenzen unerlässlich für Schülerinnen und Schüler sind, befasst sich ein Kompetenzbereich der KMK-Strategie, „Bildung in der digitalen Welt“, mit der Analyse und Reflexion der Medienlandschaft, ihren Inhalten und Wirkungsweisen. Es ist Aufgabe der Schulen, dass alle Schülerinnen und Schüler bis zum Ende ihrer Pflichtschulzeit über diese zukunftweisenden Kompetenzen verfügen.

 

Was sind Fake News?

Den Begriff „Fake News“ groß gemacht hat Donald Trump in seinem Präsidentschaftswahlkampf 2016. Er nutzte ihn, um kritische Medienberichterstattung über ihn zu diskreditieren. Weltweit ist die neue Rechte auf den Zug aufgesprungen und nutzt in Deutschland zum Beispiel den Kampfbegriff „Lügenpresse“. „Fake News“ schafften es rasch in den allgemeinen Sprachgebrauch. Wenn es PädagogInnen um den Umgang ihrer SchülerInnen mit Fake News geht, sind damit allerdings tatsächliche Unwahrheiten gemeint.

Diese Falschmeldungen, die im Netz zu finden sind, sind teils absichtliche Fälschungen. Teils handelt es sich aber auch um Gerüchte oder falsch verstandene Witze, die sich so rasant verbreiten, dass immer mehr Nutzer sie für bare Münze nehmen.

Fake News Smartphone

Besonders perfide sind Falschinformationen, die systematisch gestreut werden, um die eigene Agenda zu forcieren und die öffentliche Meinung zu manipulieren. Extremisten versuchen etwa, in sozialen Medien junge NutzerInnen zu ködern, indem sie gefälschte Schockfotos von getöteten Kindern oder vergewaltigten Frauen verbreiten, um ihre politischen Gegner zu denunzieren. Oder solche Fotos sind echt, aber werden in einen falschen Kontext gesetzt und die gezeigte Szene hat sich in Wirklichkeit zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort mit anderen Beteiligten ereignet.

Gerade im politischen Kontext ist bekannt, dass in sozialen Medien, Foren und Kommentarbereichen so genannte „social bots“ zum Einsatz kommen. Damit sind gefälschte Profile gemeint, hinter denen sich keine echten Menschen verbergen, sondern teils extremistische Gruppen, die mithilfe dieser Bots millionenfach Propaganda verbreiten. Oft zeichnen die Urheber solcher Falschmeldungen regelrechte Verschwörungstheorien (die richtigerweise Verschwörungsmythen heißen müssten).

Schon jetzt gehen Viele davon aus, dass Falschinformationskampagnen mittlerweile den Ausgang von Wahlen bestimmen können. Nicht immer stecken hinter Verschwörungsmythen aber absichtliche Manipulationsversuche. Mitunter sind es auch Posts von Menschen, die sich mit besonders krassen Ideen oder sarkastischen Witzen wichtig machen wollen, die tausendfach geteilt werden. Im Januar und Februar 2020 ließ sich dies zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Coronavirus beobachten. Hierzu kursierten so viele Falschinformationen, dass die Weltgesundheitsorganisation auf ihrer Webseite eigens eine Rubrik namens „myth busters“ eingerichtet hat. Verunsicherte Menschen sind besonders empfänglich für Fake News.

Ein weiteres Phänomen ist das so genannte „click baiting“. Auch hier ist das Ziel nicht Meinungsmache, sondern mithilfe von Übertreibungen oder Verzerrungen von Sachverhalten sollen NutzerInnen dazu bewegt werden, auf bestimmte Links zu klicken. Im besten Fall sollen dadurch nur Klickzahlen erhöht werden. Im schlechtesten Fall handelt es sich um „phishing“-Versuche: Klickt der Nutzer oder die Nutzerin auf den Link, wird auf dessen oder deren Gerät eine Malware installiert, die NutzerInnendaten ausspioniert.

Und letztlich lassen sich manche Fake News auch auf die Nachlässigkeit einzelner privater NutzerInnen zurückführen. Anfang Januar 2020 etwa postete eine 18-jährige Schülerin mit über zwei Millionen TikTok-Followern auf besagter Plattform ein „kleines Aufklärungsvideo“, in dem sie erklärte, warum durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran der dritte Weltkrieg nah sei. Das Video enthielt klare Falschinformationen wie „Iran verfügt über extrem viele Atombomben und gefährliche Waffen. Wenn da eine hochgeht, sind wir alle futsch.“

Das Thema Fake News im Unterricht behandeln

Fake News erkennen

Wie also kann man SchülerInnen dabei helfen, keinen Falschinformationen im Netz auf den Leim zu gehen oder diese sogar selbst weiterzuverbreiten? Zuerst einmal – und das hat sich seit Dieter Baackes Definition von Medienkompetenz nicht verändert – hilft alles, was die Kompetenz fördert, Informationen kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen. Hierfür gibt es verschiedene Checklisten, etwa „Fake News erkennen“ der IFLA (siehe Infografik, die sich hier in verschieden Sprachen herunterladen lässt).

Dabei helfen auch Faktenchecker-Plattformen, auf denen, ähnlich wie bei den „myth busters“ der WHO, rund um die Uhr Fake News aufgespürt, recherchiert und richtiggestellt werden. Wann immer man im Internet über eine verdächtige Information stolpert, ist die Chance groß, dass man auf correctiv.org oder mimikama.at bereits einen Artikel dazu findet. Beispiele, wie das der TikTok-Nutzerin, die den dritten Weltkrieg heraufbeschwor, können helfen, das Thema Fake News und die möglichen Folgen zu veranschaulichen und dafür zu sensibilisieren.

Wer mit seinen SchülerInnen auch die Hintergründe von Fake News behandeln will, also welche Täuschungsabsichten es geben kann, mit welchen Tricks Falschnachrichten besonders glaubhaft rüberkommen und warum sie sich so schnell verbreiten, für den bieten sich interaktive Unterrichtseinheiten an. Denkbar sind etwa Rollenspiele, bei denen derselbe Sachverhalt aus den Perspektiven von Personen mit unterschiedlichen Haltungen formuliert wird, die jeweils versuchen, die anderen von ihrer Meinung zu überzeugen. Ein gängiger Ansatz in der Medienpädagogik ist es, selbst Medien zu machen, um zu verstehen, wie sie funktionieren. Bezogen auf Fake News wäre das zum Beispiel eine „Fälscherwerkstatt“, in der die SchülerInnen selbst Falschmeldungen produzieren – natürlich ohne sie zu verbreiten. Wie das aussehen kann, zeigen etwa die Ergebnisse des „FakeLab“ der Friedensburg-Oberschule Berlin.

Zahlreiche Akteure in den Bereichen Medienbildung, digitale Bildung und politische Bildung haben sich in den vergangenen Jahren dem Thema Fake News angenommen und Übersichten, Linklisten, Tipps und Unterrichtseinheiten erstellt. Etliche Beispiele sind in der folgenden Linkliste angeführt – alle garantiert echt!

Linkliste Fake News im Unterricht: 

Das niedersächsische Kultusministerium unterhält das Portal:

Stop Fake News

Eine schöne Übersicht gibt es von:

saferinternet.at

Ebenso vom:

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat sich dem Thema angenommen und hier viele Links zusammengetragen:

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die journalistischen Medienhäuser mischen ebenfalls mit, etwa der:

Bayerische Rundfunk

Unter anderem die Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Dienstanbieter (FSM) betreibt die Plattform:

Medien in die Schule

Und eine "Fake News Check"-App gibt es vom Verein:

Neue Wege des Lernens e.V.

Zur Übersichtsseite