Ein vollwertiger PC für wenig Geld

In einem Modellprojekt testet die Ganztagsschule „Johannes Gutenberg“ verschiedene digitale Endgeräte für den Unterricht – eine 5. Klasse erprobt den Raspberry Pi.

Raspberry Pi

Die Ganztagsschule "Johannes Gutenberg" in Wolmirstedt gewann 2017 den Bundeswettbewerb "Starke Schule“. Mit dem Preisgeld konnten unter anderem Raspberry Pis für eine neue Medienklasse angeschafft werden. Seit dem Schuljahr 2017/2018 arbeitet die 5. Klasse nun als Modellklasse mit den Minirechnern. Zwei andere Klassen testen gleichzeitig den Einsatz von Calliope und Tablets im Unterricht. Die Gemeinschaftsschule legt großen Wert auf praxisorientiertes und selbstorganisiertes Lernen, deshalb werden digitale Medien stark in den Unterricht integriert. Auch auf den Schwerpunkt Berufsorientierung zahlt die Arbeit mit digitalen Geräten an der Schule ein. So verfügt jede Klasse bereits über 3 Laptops und in der Schule stehen den Lehrkräften für den Unterricht zwei Computerräume sowie weitere Tablets zum Ausleihen zur Verfügung. Da aber nicht jedes Gerät zu jeder Klasse oder jeder Lehrkraft passt, werden die neuen Geräte nun erst einmal in den Modellklassen getestet.

Das Unterrichtskonzept als Gemeinschaftsprojekt – auch mit außerschulischen Kooperationspartnern

Initiiert wurden die Medienklassen im Zuge der Entwicklung des Medienkonzepts, das die Schule im Rahmen der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz erstellte. Nachdem das Projekt auf der Gesamtkonferenz beschlossen wurde, meldeten sich mehrere Lehrer freiwillig für die Betreuung der Medienklassen.

Die Entscheidung für den Raspberry Pi fällte die Schule nach langen Überlegungen insbesondere deshalb, weil es sich dabei um ein besonders günstiges Endgerät handelt, das kaum Platz wegnimmt und so entwickelt ist, dass es einfach zu reparieren ist, sollte doch mal etwas kaputt gehen. Der Computer ist gerade mal so groß wie eine Kreditkarte, kann frei von einer SD-Karte aus operieren und variabel und ortsunabhängig an jeden Monitor, jede Maus und Tastatur angeschlossen werden. Zudem kann man den Raspberry Pi mit kostenlosen Open-Source-Programmen verwenden.

Das Konzept für den Unterricht in den einzelnen Medienklassen erstellte die Gemeinschaftsschule im Rahmen des Netzwerks „bildung.digital – Netzwerk ganztägig bilden“. Für die Raspberry Pi-Klasse setzten sich Schulleitung, Technik- und Klassenlehrer zusammen, um unter anderem folgende Fragen zu klären:

  • Welches Ziel wird mit der Medienklasse verfolgt?
  • Welche Rahmenbedingungen bestehen?
  • Welche Kompetenzen können/sollen die Schülerinnen und Schüler erlangen?
  • Welche Schritte sind zu gehen? Meilensteine?
  • Wer sind die Beteiligten und mögliche Kooperationspartner?

Als Kooperationspartner konnte das Institut für Berufs- und Betriebspädagogik der Universität Magdeburg gewonnen werden. Dieses schulte die Klassenleiterin der Raspberry Pi-Klasse vorbereitend und wird das Projekt auch weiterhin zwei Stunden in der Woche betreuen. Um die Fachlehrer, die in der Modelklasse unterrichten, auf einen Grundlagenstand zu bringen, bereite die Lehrerin das zum Raspberry Pi, zumeist auf Englisch, vorliegende Material auf und gab ihr Wissen in einer Schulung an diese weiter. Alle weiteren Inhalte eignen sich die Fachlehrer im eigenverantwortlichen Selbststudium an – so schaut jeder, was für ihn und sein Fach am besten passt und nützlich ist.

Grundlagenschulung für die Nutzung innerhalb und außerhalb des Unterrichts

Die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse reagierten erwartungsgemäß erfreut auf die Nachricht von ihrer Auswahl zur Modellklasse für die Raspberry Pi-Computer. Begonnen wurde auch erst einmal mit dem spielerischen Einsatz im Unterricht. In der 5. oder 6. Klassenstufe führt die Ganztagsschule bereits einen Medienkurs durch, der den Schülerinnen und Schülern Grundlagen zu Internetrecherche, Schreibprogrammen und Präsentationsprogramme vermittelt. Zusätzlich werden die Schülerinnen und Schüler der Medienklasse zu den Themen Datenschutz und Bildrechte aufgeklärt. An einen wöchentlichen Projekttag kommt der Kooperationspartner der Universität Magdeburg an die Schule. Dann werden die Raspberry Pis gezielt genutzt, um sie zu verstehen zu lernen, zum Beispiel indem kleinere Programmierungen vorgenommen werden.

Die Raspberry Pis sind Schuleigentum, jeder Computer, als auch jede Maus, Tastatur und jeder Bildschirm ist nummeriert. Im Unterricht teilen sich immer zwei Kinder einen Raspberry Pi, sodass dieser vorwiegend in Übungen, die sich für die Partnerarbeit eignen, angewendet wird. Wie und wie stark die Geräte in den Unterricht eingebunden werden, entscheidet jeder Fachlehrer selbst. Zum Start des Modellprojekts haben alle Schülerinnen und Schüler eine eigene SD-Karte erhalten, auf welcher sie Inhalte speichern und problemlos von zuhause aus bearbeiten können. Auf der Karte ist auch das Betriebssystem gespeichert, damit die Schülerinnen und Schüler es auf dem eigenen Laptop installieren können und somit zuhause die gleiche Benutzeroberfläche wie in der Schule nutzen können. Auf den Geräten selbst werden Open Source-Programme verwendet, wobei die Fachlehrer für ihre unterschiedlichen Fächer gängige Programme und Apps, wie ein Algebra-Programm in Mathematik oder eine Englisch-Vokabel-Lern-App im Fremdsprachenunterricht, nutzen.

Einbindung von Lehrkräften und Schülerschaft in die Evaluation

Auf jeder Dienstberatung der Schule erläutert Klassenleiterin Julia Fink allen anderen Lehrkräften und der Schulleitung den Zwischenstand des Projekts. Die Evaluation erfolgt schriftlich. Die Schülerinnen und Schüler werden in diesen Prozess stark mit einbezogen und bekommen immer wieder Möglichkeiten den Tag oder die Stunde selbst zu reflektieren. Angestrebt wird, dass das Projekt über die gesamte Schulzeit der jeweiligen Klasse durchgeführt wird. Und da jede Lehrkraft und jede Klasse anders ist, wird die Schule sich wohl auch in Zukunft nicht nur auf einen Gerätetypen beschränken.

Fakten zum Raspberry Pi

  • Kostengünstiges Endgerät
  • platzsparend, leicht zu reparieren und ortsunabhängig nutzbar
  • geringer Stromverbrauch
  • Verwendung mit kostenlosen Open-Source-Programmen
  • ermöglicht grundlegendes Verständnis von der Funktion eines Computers
  • erleichtert das Erlernen von Grundzügen der Programmierung
  • Mehr Infos unter https://www.raspberrypi.org/

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