Geschichte im live-tweet

Vom Kalten Krieg bis zur Frauenrechtsbewegung: Mit der digitalen Unterrichtsmethode „Twistory“ gelingt es, historische Ereignisse und Persönlichkeiten per Twitter aufleben zu lassen.

Lernende nutzen Smartphone zum Lernen im Geschichtsunterricht

So detailgetreu Schülerinnen und Schüler historische Fakten auch kennenlernen – was die Menschen vergangener Epochen umgetrieben hat, was sie sich wünschten oder erdulden mussten, lässt sich nur schwer vorstellen. Die Unterrichtsmethode „Twistory“ gibt Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich in historische Persönlichkeiten hineinzuversetzen und ihre Beweggründe, Forderungen und Entscheidungen nachzuvollziehen. Die Methode kann bei vielfältigen Themen eingesetzt werden, bietet sich aber insbesondere für historische Konflikte an, in denen sich mindestens zwei Konfliktparteien mit gegensätzlichen Meinungen oder Bedürfnissen gegenüberstehen – vom Kalten Krieg bis zur Frauenrechtsbewegung ist alles möglich.

Zu dem ausgewählten Konflikt werden mindestens zwei historische Persönlichkeiten ausgewählt. Dies können zum Beispiel Staatsoberhäupter oder Anführer einer Bewegung sein. Wichtig ist, dass die ausgewählten Persönlichkeiten klare Positionen zu dem Konflikt bezogen haben, Einfluss auf die Bevölkerung bzw. einen Bevölkerungsteil hatten – und nicht zuletzt, dass sich ausreichend Hintergrundinformationen zu den Personen finden. Denn Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es, im Namen dieser Personen zu twittern und die wichtigsten Ereignisse des Konflikts durch ein Streitgespräch auf Twitter nachzuspielen. Alternativ können auch andere soziale Netzwerke wie zum Beispiel Facebook für die Methode genutzt werden.

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Damit ein solches Streitgespräch gelingt, sollten sich die Kleingruppen zunächst zu der Person, den wichtigsten Ereignissen des Konflikts und den Positionen der Konfliktparteien informieren. Damit die Schülerinnen und Schüler den Konflikt einordnen können, ist es sinnvoll, wenn die Lehrkraft vorab im Unterricht bereits in Thema und historische Epoche eingeführt hat. Für Twistory schauen sich die Kleingruppen nun ihre historische Persönlichkeit genau an: Welche Meinung hat sie vertreten? Wofür hat sie sich eingesetzt? Wen wollte sie erreichen? Was wollte sie mitteilen? Wie drückte die Person sich aus? Hieraus lässt sich ein Steckbrief der Person entwickeln, den die Gruppe im Streitgespräch jederzeit zur Hilfe nehmen kann. Für die Vorbereitung ist weiterhin hilfreich, eine Zeitachse mit den Kernereignissen des Konflikts anzulegen, damit auch diese jederzeit zur Hand sind und das Streitgespräch voranbringen können.

Für jede Persönlichkeit legt die Lehrkraft zudem vorab einen Twitter-Account mit Hintergrund- und Profilbild an, in der Kurzbeschreibung sollte deutlich gemacht werden, dass es sich um ein Lern-Account einer Schule handelt. Die Accounts können mehrfach, also in mehreren Klassen, genutzt werden. Dafür empfiehlt es sich, die alten Streitgespräche durch Screenshots zu dokumentieren und anschließend zu löschen.
 

Streitgespräch mit #, @ und GIFs

Nach der inhaltlichen Vorbereitung geht es schließlich los: die Gruppen setzen Tweets ab, mit denen sich ihre historische Person an ihre Anhänger oder Kontrahenten wendet, über Ereignisse informiert und ihre Positionen und Forderungen verdeutlicht. Dabei können neben dem Text auch Bilder, Videos, Links oder GIFs verwendet werden. Damit sich ein Streitgespräch entwickelt, können sich die Personen retweeten und die Tweets der Kontrahenten kommentieren. Zudem sind die Verwendung von Hashtags und gegenseitige Erwähnungen (mit @username) sinnvoll. Insbesondere bei Hashtags ist auf einen verantwortungsvollen Umgang zu achten, da die Tweets über die Hashtags auch von Unbeteiligten gefunden werden können.

Öffentlich zu twittern kann für einige Schülerinnen und Schüler zunächst eine Herausforderung darstellen. Sobald der Anfang aber geschafft ist und das Streitgespräch in Fahrt kommt, fällt das twittern schnell leichter und bringt neben dem Perspektivwechsel auch eine Menge Freude in den Unterricht.

Steckbrief: Twistory

  • Digitale Unterrichtsmethode für den Geschichtsunterricht

  • Nutzung eines sozialen Netzwerks wie Twitter oder Facebook

  • Arbeit in Kleingruppen

  • Klassenstufen: ab Klasse 8

  • Schülerinnen und Schüler versetzen sich in historische Persönlichkeiten hinein, vollziehen unterschiedliche Standpunkte zu historischem Konflikt nach

  • Geeignet für die Auseinandersetzung mit historischen Konflikten

  • Vorbereitung: Einrichtung von Twitter-Accounts für historische Persönlichkeiten

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