Digitale Kompetenzen im Zeugnis

Für die Mittelschule Ebern in Bayern ist die Digitalisierung ein zentrales Schulentwicklungsthema. Mit der Einführung eines schuleigenen Medienportfolios, sollen die Schülerinnen und Schüler gezielt Medienkompetenzen erlangen und so auf das Leben in einer digitalisierten Gesellschaft und Arbeitswelt vorbereitet werden.

Schüler lernt mit Tablet und Computer

Bereits vor 15 Jahren hat sich die Mittelschule Ebern auf den Weg gemacht die Schule adäquat für das digitale Zeitalter auszustatten. Ein Systembeauftragter nahm sich der Sache an und etablierte auf Basis der bereits existierenden Schulserverstruktur erste Formen einer digitalen Verwaltung, die einen einfacheren Materialaustausch, zum Beispiel für Krankmeldungen oder Stundenpläne, ermöglichte. Diese Basis wurde in den folgenden Jahren Stück für Stück ausgebaut. Seit 2010 ist die Mittelschule Ebern Referenzschule für Medienbildung und steckt sich im Rahmen ihres Medienentwicklungsplanes immer wieder neue Ziele. So entstand auch die Idee für das Medienportfolio.

Wir können keine allgemeine Digitalisierung anstreben, nach dem Motto „Nehmt die iPads und macht mal!“. Wir sollten uns stattdessen fragen, was wir von Schülerinnen und Schülern in der jeweiligen Jahrgangsstufe genau erwarten können und wie wir das am besten fördern.

Toni Binder, Konrektor Mittelschule Ebern

Schuleigenes Medienportfolio „Alle Lehrer – alle Schüler – digital“

Die Lehrerschaft hat darum ein Medienportfolio entwickelt, dass den Kompetenzzuwachs der einzelnen Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Jahrgangsstufen dokumentiert. Die zentralen digitalen Kompetenzen und Fähigkeiten gliedern sich in sechs verschiedene Themenbereiche: "Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren", "Kommunizieren und Kooperieren", "Produzieren und Präsentieren", "Schützen und sicher Agieren", "Problemlösen und Handeln" sowie "Analysieren und Reflektieren".

Diese werden dann im Portfolio abgehakt, sobald sie in einem Unterrichtsfach durch den Klassenlehrer oder die Fachlehrerin Anwendung fanden. Die sechs Themenbereiche bleiben dabei in den jeweiligen Jahrgangsstufen gleich, die Schwierigkeit erhöht sich jedoch mit jeder Jahrgangsstufe und der Anwendungsbereich wird komplexer. Geht es in der fünften Klasse im Bereich "Produzieren und Präsentieren" zunächst darum das Tastschreiben zu erlernen und Textverarbeitungs- und Präsentationsprogramme kennenzulernen, ist es ein Ziel der 10. Jahrgangsstufe eine digitale Präsentation, zum Beispiel mit dem Tool „Explain Everything“, über die Gefahren des Internets für die jüngeren Jahrgangsstufen zu erstellen. Eine Doppelung der in den einzelnen Fächern aufgegriffenen Themenbereiche ist zudem ausdrücklich erwünscht, sodass ein digitales Programm oder Tool in verschiedenen Kontexten zum Einsatz kommen kann und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Anwendungen verdeutlicht werden.
 
Dabei geht es bei der Erstellung des Medienportfolios nicht darum die digitalen Kompetenzen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu bewerten, sondern sie mit möglichst vielen digitalen Themen in Berührung zu bringen, ihre Neugier zu wecken und die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen. Außerdem sollen Fähigkeiten, die durch den alltäglichen Umgang mit Smartphone und Tablet bei den Jugendlichen bereits vorhanden sind, zu nützlichen Kompetenzen ausgebaut werden, um für digitale Anforderungen bei der Berufsausbildung optimal vorbereitet zu sein. Jeder Schüler bekommt mit dem Jahreszeugnis deshalb auch eine Kopie des eigenen Medienportfolios ausgehändigt, die dann zum Beispiel der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz beigelegt werden kann.

 

Positive Veränderungen bereits in der Testphase

Das Medienportfolio gab es als „Roh-Version“ an der Schule schon seit 1,5 Jahren, es kam jedoch selten zum Einsatz. Bis in der Lehrerschaft der Wunsch aufkam, dieses zu überarbeiten und für alle zugänglich zu machen. Eine Lehrerkonferenz und Jahrgangsstufenteams aus Klassenleitungen und Fachlehrkräften befassten sich daraufhin abwechselnd mit der Erarbeitung eines umfassenden Medienportfolios. Die Bereiche des Portfolios orientieren sich an den Vorschlägen der Kultusministerkonferenz und wurden an die Ziele und technischen Voraussetzungen der Schule angepasst. Daraufhin wurde das Portfolio der gesamten Lehrerschaft vorgestellt und anschließend auf einer letzten Lehrerkonferenz ratifiziert und als verpflichtende Umsetzungsrichtlinie im Schuljahr 2018/19 beschlossen. In allen Jahrgangsstufen können die Portfolios bis Schuljahresende nun noch getestet und mögliche Änderungsvorschläge eingebracht werden.

Bereits während des Umsetzungsprozesses und der Testphase konnten an der Schule schon positive Veränderungen festgestellt werden. Zunächst stellten viele Lehrkräfte fest, dass sie mit den meisten digitalen Programmen und Techniken bereits vertraut sind und arbeiten. Das hat Viele dazu motiviert einen Schritt weiter zu gehen und neue Programme auszuprobieren oder sich fortzubilden. Und gleichzeitig hat die Zusammenarbeit der Klassenlehrkräfte mit den Fachlehrerinnen und -lehrern seither deutlich zugenommen. Daraus entsteht langsam eine Kultur des Austauschs und Teilens. Klassenlehrkräfte können zum Teil nicht alle Fähigkeiten und erforderlichen Kompetenzen im Rahmen ihres Unterrichtes abbilden, wodurch eine Zusammenarbeit und ein Austausch mit anderen Fächern nötig wird. In einem nächsten Schritt möchte die Schulleitung nun die Rahmenbedingungen für diese wichtige Zusammenarbeit verbessern. Dazu wird in Kürze die Schulplattform EduPage eingeführt, die unter anderem eine Nachrichten- und Chatfunktion beinhaltet und den Datenaustausch erleichtert.

 

Eine gemeinsame Vision ist essentiell

Ab dem neuen Schuljahr 2018/2019 wird das Medienportfolio an der Mittelschule Ebern jahrgangsübergreifend verpflichtend. Obwohl die Lehrerschaft der Mittelschule im Hinblick auf bereits vorhandene digitale Kompetenzen oder die Anwendungsbereitschaft digitaler Tools sehr heterogen ist, gab es kaum Widerstand gegen die Neuerung aus dem Kollegium.

Die Schulleitung hat gegenüber der gesamten Schulgemeinschaft bereits vor der Bewerbung als Medienreferenzschule im Jahre 2010 die Digitalisierung als höchstes Schulentwicklungsziel kommuniziert. Von Beginn an setzte die Mittelschule darauf, eine möglichst breite Unterstützung für den Digitalisierungsprozess zu erhalten, indem sie die schrittweise Vorgehensweise offengelegte und interessierte Lehrkräfte in den Prozess mit einband. Durch Transparenz und eine vom gesamten Kollegium geteilte Zukunftsvision, erhielt die Schulleitungsebene große Zustimmung für dieses Entwicklungsziel.

„Tinte oder Tablet – Grundsatzdiskussionen“ bringen uns nicht weiter. Auf keiner Schulagenda steht, dass die Handschrift abgeschafft werden soll. Digitale Tools – wie früher den Taschenrechner – als Gebrauchsgegenstand zu verstehen, der unterstützend eingesetzt werden kann, und diesen dementsprechend in den Unterricht zu integrieren, ist ein zentrales Element im Digitalisierungsprozess an der Schule.

Toni Binder, Konrektor Mittelschule Ebern

Lehrerfortbildungen haben an der Mittelschule Ebern daher eine hohe Priorität. Es gibt sogenannte Mini-Fortbildungen, die jeweils 30 Minuten dauern und regelmäßig in den Mittagspausen angeboten werden. Hier werden verschiedenste digitale Themen von neuen Apps bis hin zum Datenaustausch auf dem Server bearbeitet. Die Teilnahme ist freiwillig. Aber die Schule kann nach der Teilnahme an insgesamt drei Mini-Fortbildungen eine Fortbildungsbescheinigung ausstellen, wodurch das Format breiten Anklang in der Lehrerschaft findet. Zudem hat sich auch ein App-Stammtisch etabliert. Alle drei bis vier Wochen treffen sich Lehrerinnen und Lehrer aller Fachbereiche in der Schule, um ihre Erfahrungen mit neuen digitalen Anwendungen oder Ideen zu digitalen Themen austauschen.

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