Unterricht auf Augenhöhe

In einem Pilotprojekt hat die Bardoschule Fulda Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen zu Medienscouts ausgebildet. Im Peer-to-Peer-Ansatz schulen sie jüngere Klassen zu relevanten Medienthemen.

Medienscouts schulen im Programm bildung.digital ihre Schulkameraden

An der Bardoschule Fulda in Hessen herrscht bisher ein Smartphone-Verbot. Wie andere Schulen auch, hat die Schule in der Vergangenheit oft schlechte Erfahrungen mit der Nutzung durch die Schülerschaft gemacht. Regelmäßig beschweren sich die Jugendlichen oder Eltern aufgrund von Beleidigungen oder Spam in WhatsApp-Gruppen oder sozialen Medien. Ein verantwortungsvoller und reflektierter Umgang mit dem Smartphone und sozialen Medien soll dieses Problem in Zukunft lösen.

Im Sommer 2017 startete die Schule das Pilotprojekt #seiSmart, eine Initiative des Unternehmens filmreflex, welches das Projekt mit seinen Medienpädagogen während des gesamtem Zeitraums fachlich begleitet, und der Schwenninger Krankenkasse. Das Pilotprojekt wird innerhalb der nächsten zwei Jahre an der Bardoschule Fulda durchgeführt und in die Schulstruktur und -kultur implementiert. Das Besondere daran ist Medienbildung an der Schule durch einen Peer-to-Peer-Ansatz mit der Hilfe von Medienscouts umzusetzen. Die Idee dahinter: Junge Menschen bringen sich notwenige Kenntnisse über Medien heutzutage weitgehend selbst bei. Durch den Peer-to-Peer-Ansatz kann dieses Wissen auf Augenhöhe an andere Jugendliche der Schule weitergegeben werden. Um das Konzept auch nach der zweijährigen Pilotphase nachhaltig und langfristig an der Schule zu etablieren, setzt die Bardoschule Fulda auf die Unterstützung aus dem Programm „bildung.digital – Netzwerk ganztägig bilden“ und möchte die Erfahrungen von anderen Schulen für das eigene Projektvorhaben und dessen Weiterentwicklung nutzen.

Die Smart-Agents übernehmen in dem Projekt eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Schüler machen das ja für Schüler. Aber sie kennen die neuesten technischen Entwicklungen, die Probleme und wurden teilweise selbst schon in den sozialen Netzwerken gemobbt. Wenn man sich das Ganze in der Praxis anschaut, fühlen sich die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen damit auch zu 100 Prozent angesprochen.

Matthias Hansche, stellvertretender Schulleiter an der Bardoschule Fulda

Smart-Agents als Mentoren für die 5. Jahrgangsstufe

Im letzten Sommer wurden die ersten zehn Schülerinnen und Schüler aus der 8. Jahrgangsstufe zu Mentorinnen und Mentoren ausgebildet und betreuen nun Patenklassen aus der 5. Jahrgangsstufe als sogenannte Smart-Agents. Eine Einführungswoche diente dabei dem Teambuilding und der Schulung der Mentorinnen und Mentoren zu Grundwissen und relevanten Medienthemen. Die Smart-Agents wählten selbst aus, welche Themen sie den 5. Klassen im Laufe des Schuljahres präsentieren wollen. Dazu gehören unter anderem soziale Medien, Fragen zu Bildrechten, dem Schutz der eigenen Daten und der Privatsphäre in mobilen Anwendungen oder auch Cyber-Mobbing.
Im Rahmen einer wöchentlichen AG im Nachmittagsbereich bereiten sich die Smart-Agents auf die Stunde in den 5. Klassen vor und erarbeiten eigenständig das nötige Wissen und die digitalen Kompetenzen. Dabei stehen ihnen der Lehrer Marcus Tinla und der Sozialpädagoge Yannick Eisenhut als Ansprechpartner und für die fachliche Begleitung zur Seite. Die beiden zeigen den Smart-Agents Methoden, wie sie ihre Inhalte den Schülerinnen und Schülern präsentieren und vermitteln können. So entstanden z. B. Animationsfilme und Plakate für den medienpädagogischen Unterricht.
 

Schwerpunkt Medienbildung in der EVA-Stunde

Durchgeführt wird der Unterricht in der sogenannten zweiwöchentlichen EVA-Stunde (Eigenverantwortliches Arbeiten) der 5. Klassen an den weiterbildenden Schulformen der Bardoschule Fulda. In dieser Klassenleiter-Stunde arbeiten die Schülerinnen und Schüler individuell und eigenverantwortlich an fächerübergreifenden Aufgaben. Die Team-5-Lehrer an der Schule können für diese Stunde jedes Schuljahr einen thematischen Schwerpunkt setzten und entschieden sich 2017 für das Thema Medienbildung. Im Laufe des Schuljahres besuchen die Smart-Agents diesen Unterricht nun an bis zu sieben Terminen, um den jüngeren Schülerinnen und Schülern die vorbereiteten Medienthemen zu präsentieren und gemeinsam mit ihnen aufzuarbeiten.

Die Schülerinnen und Schüler werden heutzutage, ob sie es wollen oder nicht, mit sozialen Medien und dem, was damit zusammenhängt, konfrontiert. Wir wollen auf lange Sicht gesehen Stück für Stück darauf aufbauen. Bereits ab der 5. Klasse wollen wir präventiv eingreifen und den Schülerinnen und Schülern bereits ihre Rechte, aber auch die Gefahren im Umgang damit vermitteln.

Marcus Tinla, Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sport an der Bardoschule Fulda

Im folgenden Schuljahr werden die Smart-Agents neue Mentorinnen und Mentoren aus der 8. Klasse ausbilden und zudem den Unterricht für die dann 6. Klassen fortsetzen. So soll gewährleistet werden, dass mit jedem neuen Schuljahr regelmäßig neue Smart-Agents zur Verfügung stehen, die die jüngeren Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen zu medienrelevanten Themen schulen. In Zukunft werden Elternabende auch die Eltern informieren und auf diesem Weg mitnehmen. Die Smart-Agents führen in diesem Rahmen kleine Schulungen durch und beantworten typische Fragen zur Nutzung von Smartphones, Facebook oder WhatsApp. Die Schulleitung strebt an, das Projekt auch nach der Pilotphase langfristig weiterzuführen und um einen Smartphone-Führerschein zu erweitern. Das Smartphone-Verbot an der Bardoschule Fulda soll somit irgendwann der Vergangenheit angehören.

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