Für die einen bietet Künstliche Intelligenz Antworten auf den Lehrkräftemangel und gilt als Schlüssel für zeitgemäße Bildung. Für andere verschärft sie bestehende Probleme und dient als Vorwand, notwendige Investitionen in Personal und Strukturen aufzuschieben. Stefan Schönwetter diskutierte gemeinsam mit Claudine Urban-Schneider vom Bundesverband Innovative Bildungsprogramme e. V. (BIBB) sowie weiteren Forscher:innen des Weizenbaum-Instituts über zentrale Fragen des KI-Einsatzes in der Schule.
In der zweistündigen Debate rückten verschiedene Themen in den Fokus. Diskutiert wurden unter anderem die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften sowie die Frage, welche Kenntnisse und Unterstützungsangebote sie benötigen, um digitale Technologien wie KI sicher und souverän im Unterricht einzusetzen. Außerdem ging es um die Verwaltungsstrukturen und Rahmenbedingungen, die einen verantwortungsvollen Medieneinsatz an Schulen ermöglichen, und darum, wie Unterricht – mit und ohne Technik – sinnvoll gestaltet werden kann. Und auch die Weiterentwicklung von Prüfungsformaten sowie die Rolle von Medienkompetenz, Medienkritik und Medienanalyse standen im Mittelpunkt der Diskussion.
Wie sieht ein zeitgemäßes Bildungssystem aus?
„Das Bildungssystem ist ein System der multiplen Krisen“ – mit diesen Worten eröffnete Stefan Schönwetter seine Startrede. Lehrkräftemangel, überlastete Schulen und stagnierende Lernergebnisse prägen den Schulalltag. Trotz Digitalstrategie und Milliardeninvestitionen sinken die computerbezogenen Kompetenzen junger Menschen. Zugleich werde KI zunehmend als Lösung für strukturelle Probleme präsentiert, obwohl sie den eigentlichen Reformbedarf eher verdecke: fehlende Ressourcen, unzumutbare Arbeitsbedingungen und ein System, das der Heterogenität der Schüler:innen nicht gerecht werde.
Der Ausbau adaptiver KI-Plattformen und die geplante Bildungs-ID brächten zudem neue Risiken mit sich, etwa dauerhafte Datenspuren, mögliche Stigmatisierungen und Eingriffe in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Technologie müsse daher stets mit geltenden Gesetzen, Normen und Werten in Einklang gebracht werden. Bürger:innen könnten, so Schönwetter, erwarten, dass „staatliche Akteure behutsam mit Technologien umgehen, die unter einem Erlaubnisvorbehalt stehen“. Vertrauen entstehe nur, wenn der Einsatz solcher Systeme nachvollziehbar, rechtmäßig und verantwortungsvoll erfolge.
Doch wie sieht ein zeitgemäßes Bildungssystem aus? Für Stefan Schönwetter steht dabei nicht primär die Technologie im Mittelpunkt. Stattdessen beschreibt er folgendes Bild: