Mit Zuversicht in die berufliche Zukunft

Junge Menschen in Deutschland sehen ihre persönliche Zukunft optimistisch, müssen aber zukunftsrelevante Kompetenzen ausbauen. Dies zeigt die Studie „25next – Bildung für die Zukunft“.

Future Ready?

In ihrer gemeinsamen Studie „25next – Bildung für die Zukunft“ haben die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und das SINUS-Institut untersucht, wie junge Menschen in Deutschland in die Zukunft blicken. Dabei gaben Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren Auskunft zu den Themenkomplexen Zukunftsoptimismus, Future Readiness und Zukunftskompetenzen. Die Ergebnisse der repräsentativen Online-Befragung wurden im November 2019 veröffentlicht. Im Kontext digitaler Bildung erweisen sich insbesondere die Erkenntnisse in den Bereichen Future Readiness sowie Zukunftskompetenzen als aufschlussreich.

Persönliche Zuversicht trotz leichter Unsicherheiten

Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, schauen junge Menschen in Deutschland überwiegend optimistisch in die Zukunft. So sind 58 % der Befragten hinsichtlich ihrer persönlichen Zukunft eher zuversichtlich, 24 % sogar sehr zuversichtlich. Eher oder sehr düster sehen hingegen nur insgesamt 18 % ihre eigene Zukunft (vgl. S. 5 der Studie). Wird der Blick auf die gesamte Gesellschaft ausgeweitet, dreht sich das Bild jedoch. Denn die Zukunft der Gesellschaft in Deutschland betrachten nur noch 35 % eher oder sehr zuversichtlich, 65 % dagegen eher düster oder düster (vgl. S. 10). Jugendliche und junge Erwachsene sind hinsichtlich der Zukunft Deutschlands also überwiegend pessimistisch, sehen die eigene Zukunft jedoch tendenziell optimistisch. Sie erwarten somit, sich in einer insgesamt problematischen Zukunft dennoch relativ gut behaupten zu können. Warum das so ist, zeigt ein Blick auf den Themenbereich Future Readiness. So fühlen sich 65 % der jungen Menschen in Deutschland eher oder sehr gut auf die Zukunft vorbereitet, nur 35 % eher oder sehr schlecht. Diese Zuversicht ist allerdings als gemäßigt anzusehen, da sich mit 7 % nur ein kleiner Teil der Befragten wirklich gut auf die Zukunft vorbereitet sieht (vgl. S. 17).

Einschätzung der eigenen allgemeinen Vorbereitung auf die Zukunft

Berufsrelevante Zukunftskompetenzen

Was aber bedeutet es, gut auf die Zukunft vorbereitet zu sein? Festmachen lässt sich dies an der Betrachtung jener Kompetenzen, die als entscheidend für die zukünftige Arbeitswelt angesehen werden. Im Vorfeld der Studie wurden dafür von SINUS im Rahmen umfassender Literaturrecherche von Beiträgen unterschiedlicher Expertinnen und Experten zunächst 23 Kompetenzen ermittelt. Diese lassen sich in sechs Kompetenzbereiche einteilen, die „SINUS 6C: Future Competencies“: Communication, Collaboration, Critical Thinking, Creativity, Charisma und Coolness (vgl. S. 22). Das gängige Modell der 4Cs wird somit um zwei weitere Kompetenzfelder ergänzt. Der Bereich „Coolness“ bündelt dabei Fähigkeiten, mit denen Menschen stressige Situationen bewältigen können, indem sie Ruhe bewahren, auf ihre Gesundheit achten und sich die eigene Zeit bestmöglich einteilen. „Charisma“ umfasst Kompetenzen, mit der eigenen Persönlichkeit und eigenen Ideen gut bei anderen anzukommen oder Vorträge zu halten. Die Einschätzung der Befragten, welche dieser Kompetenzen für die berufliche Zukunft relevant und wie hoch die eigenen Fähigkeiten in den jeweiligen Feldern sind, macht nachvollziehbar, warum junge Menschen in Deutschland die eigene Zukunft tendenziell optimistisch sehen. Zugleich erklärt sie, warum diese Zuversicht dennoch eher gemäßigt ausfällt. So erachtet die deutliche Mehrheit der Jugendlichen und jungen Ewachsenen alle sechs Kompetenzbereiche als zukunftsrelevant. Die eigenen Fähigkeiten in diesen Bereichen wiederum schätzt der Großteil der Befragten als eher gut ein – und sieht sich selbst somit gut auf die Zukunft vorbereitet. Auffällig ist jedoch, dass in allen Kompetenzbereichen der Anteil der als eher wichtig eingeschätzten Bedeutung für die Zukunft deutlich über dem Anteil der positiven Selbsteinschätzung der Teilnehmenden liegt. Zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene verfügen dementsprechend nach eigener Einschätzung nicht in ausreichendem Maß über (all) jene Fähigkeiten, die sie für die berufliche Zukunft als wichtig ansehen. Am deutlichsten ist diese Diskrepanz bei den Kompetenzbereichen Coolness und Charisma, die von 89 % bzw. 78 % als zukunftsrelevant angesehen werden, in denen aber nur 57 % bzw. 49 % eine positive Selbsteinschätzung haben (vgl. S. 29). Trotz der allgemeinen persönlichen Zuversicht gilt es für viele junge Menschen also, sich in den als zukunftsrelevant erachteten Fähigkeiten zu verbessern, um sich wirklich gut auf die zukünftige Berufswelt vorbereitet zu fühlen.

Bewertung zukunftsrelevanter Kompetenzbereiche

Kompetenzerwerb durch Lehrkräfte und die Lernenden selbst

Geht man der Frage nach, woher diese Kompetenzen kommen sollen, nehmen die Befragten insbesondere Lehrkräfte sowie sich selbst in die Pflicht. Im Kompetenzbereich Charisma etwa, in dem der niedrigste Anteil positiver Selbsteinschätzung erreicht wurde, gehen 34 % davon aus, dass ihre Lehrerinnen und Lehrer ihnen am besten dabei helfen können, zu lernen, sich und ihre Ideen gut zu verkaufen. 32 % sehen diese Rolle bei sich selbst. Eltern, Geschwistern, Freunden und anderen wird dies deutlich seltener zugedacht. Noch eindeutiger ist das Bild, wenn es um die Fähigkeit geht, vor fremden Leuten etwas vorzutragen. Hier nennen 40 % ihre Lehrkräfte und 26 % sich selbst (vgl. S. 41). Wollen Lehrende junge Menschen besser auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten, wären unter anderem dies wichtige Aspekte.

Akteure des Kompetenzerwerbs: Charisma

Im Kontext der Digitalisierung ist darüber hinaus der Kompenzbereich Critical Thinking von besonderer Bedeutung. Hier schätzen junge Menschen in Deutschland ihre Kompetenzen wesentlich höher ein. Doch auch in diesem Feld besteht Nachholbedarf, etwa beim Erkennen des Wesentlichen in einer größeren Menge an Informationen, dem Lösen kniffliger Probleme oder der Unterscheidung von richtigen und falschen Informationen im Internet (vgl. S. 42).

Kompetenzen im Bereich Critical Thinking

In diesen digitalisierungsbezogenen Fähigkeiten setzen Jugendliche und junge Erwachsene ebenfalls vor allem auf selbstständige Weiterentwicklung und die Unterstützung ihrer Lehrkräfte (vgl. S. 38). Der Blick auf den Bereich Critical Thinking zeigt, dass es hierbei jedoch weniger rein technische Kenntnisse sind, sondern vor allem Kompetenzen in der Rezeption und Bewertung digitaler Medien, bei denen sich junge Menschen in Deutschland Unterstützung durch ihre Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten wünschen.

Akteure des Kompetenzerwerbs: Critical Thinking

Grundsätzlich zeigen die Befunde der Studie, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland mit breiter Mehrheit auf eine globalisierte und vernetzte Arbeitswelt einstellen. Sie trauen sich zu, sich die benötigten Fähigkeiten selbst anzueignen. Vertreterinnen und Vertreter von Bildungseinrichtungen erachten sie vor allem bei Kompetenzen der Dimension Critical Thinking sowie bei Fremdsprachenerwerb und „neue Dinge lernen, mich weiterbilden“ als hilfreich. Mit steigendem Bildungsniveau wachsen die Erwartungen an die Vermittlung von Kompetenzen durch Lehrerinnen und Lehrer, Professorinnen und Professoren sowie Ausbilderinnen und Ausbilder. Neben den Ansprüchen, die junge Menschen an ihre Lehrenden formulieren, lassen sich aus den identifizierten Kompetenzbereichen bzw. Kompetenzen Anforderungen an die Gestaltung zeitgemäßer Lernsettings und -inhalte ableiten.

Die Studie „25next – Bildung für die Zukunft“

  • Entstanden ist die Studie im Kontext der DKJS-Zukunftsinitiative 25next.
  • Eine Zusammenfassung der Ergebnisse erhalten Sie hier.
  • Alle Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

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