Medienentwicklungsplanung als Prozess

Welcher pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen bedarf es, damit Schulen die Strategie zur Bildung in der digitalen Welt der Kultusministerkonferenz erfolgreich umsetzen können?

Lehrer mit Schülern am Laptop

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Dezember 2016 mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ eine verbindliche Handlungsorientierung erarbeitet, um den digitalen Wandel in die Lehr- und Lernprozesse im Bildungssystem zu integrieren. Alle Bundesländer verpflichten sich durch diese Konzeption, zeitlich verbindliche Maßnahmen umzusetzen, um den Kompetenzerwerb entsprechend zu ermöglichen.

Im Rahmen eines „bildung.digital“-Webinars erläuterte nun Michael Retzlaff, ehemaliger Leiter des Referats Medienbildung am Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM), pädagogische und organisatorische Maßnahmen zur erfolgreichen Umsetzung der KMK-Strategie und beantwortete Fragen der teilnehmenden Schulen aus dem Netzwerk „bildung.digital – Netzwerk ganztägig bilden“. Die wichtigsten Informationen und Ergebnisse des Webinars haben wir im Folgenden zusammengefasst.

 

Der Medienentwicklungsplan als Steuerungsinstrument

Die Umsetzung der KMK-Strategie ist als Vorhaben der Schulentwicklung im Schulentwicklungsprozess verankert. Ihre Umsetzung stellt eine Querschnittsaufgabe für alle Fächer dar. Zentraler Baustein für die Umsetzung ist der Medienentwicklungsplan (MEP). Der Medienentwicklungsplan ist ein wichtiges Steuerungsinstrument, mit dem Schulen in Abstimmung mit dem Schulträger den Einsatz von Medien in der Schule systematisch planen und die dafür erforderlichen konzeptionellen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen schaffen können. Konzeptionelle Bausteine bei der Entwicklung eines Medienentwicklungsplans sind die Erarbeitung bzw. Weiterentwicklung eines Medienbildungskonzepts, eines Fortbildungskonzepts und eines Ausstattungskonzepts. Die Entwicklung und Umsetzung eines verbindlichen Medienentwicklungsplans ist dabei als Prozess zu verstehen, der unterschiedliche Phasen durchläuft. Er sollte immer von externen Experten begleitet werden und benötigt Zeit.

Der Medienentwicklungsplan als Prozess

  1. Festlegung der medienpädagogischen Ziele (Orientierung an den KMK-Kompetenzen)
  2. Benennung einer Steuerungsgruppe und Rollenklärung
  3. Bestandsaufnahme der bisherigen Medienbildung in der Schule: Überprüfung in den Fächern und außerunterrichtlichen Angeboten (Ganztagsangebote), Abgleich mit KMK-Standards
  4. Benennung des Ausstattungs- und Fortbildungsbedarfs, Überarbeitung des Medienbildungskonzepts
  5. Erarbeitung eines Maßnahmenplans
  6. Finanzierung von Ausstattung und Fortbildungen klären
  7. Beschluss des Medienentwicklungsplans
  8. Durchführung, fortlaufende Dokumentation und Evaluation des Prozesses

Von der Bestandsaufnahme zum Beschluss

Die Entwicklung des Medienentwicklungsplans erfordert im ersten Schritt eine Bestandsaufnahme der jeweils vorhandenen Medienbildungs-, Fortbildungs- und Ausstattungskonzepte: Wie ist die medienpädagogische Handlungspraxis in den einzelnen Fächern und Jahrgängen sowie das Lernen mit und über Medien in Bezug auf den Rahmenlehrplan an der Schule bisher ausgestaltet? Wie ist es um die Ausstattung, schulische Nutzung und Organisation digitaler Medien und Infrastrukturen bestellt? Ziel ist es, durch eine Bestandsaufnahme im Kollegium den Stand der bisherigen Medienbildung und -nutzung an der Schule transparent abzubilden und einen Abgleich mit den KMK-Standards durchzuführen. Zur Umsetzung der KMK-Strategie muss das Rad nicht zwangsläufig neu erfunden werden, sondern auch bekannte und an der Schule bewährte Konzepte, Methoden und Techniken können bereits auf den angestrebten Kompetenzerwerb einzahlen. Ist dies nicht der Fall, werden auf diese Weise die Bereiche identifiziert, in denen Handlungsbedarf besteht. Auch potentielle Synergiebereiche werden an dieser Stelle sichtbar und der Austausch im Kollegium wird angeregt. Besonders in dieser einleitenden Phase ist die Offenheit aller Involvierten für den Entwicklungsprozess entscheidend. Durch die Schaffung von Transparenz und Diskussionsmöglichkeiten und durch die Moderation des Prozesses kann dies gefördert werden.

  • Medienbildungskonzept: Das Medienbildungskonzept basiert auf dem schulinternen Curriculum, dessen Grundlage der Rahmenlehrplan ist. Das schulinterne Curriculum bezieht sich immer auf die schulspezifischen Rahmenbedingungen, insbesondere auf die Zusammensetzung der Schülerschaft mit ihren heterogenen Lerninteressen und -voraussetzungen. Es beinhaltet die Verabredungen zu den gemeinsamen schulischen Entwicklungsschwerpunkten unter Einbeziehung von Beiträgen verschiedener Fächer auf Grundlage des Schulprogramms und des Rahmenlehrplans. Außerdem ist es das zentrale Produkt kooperativer Unterrichtsentwicklung im Fach und über das Fach hinaus und somit gemeinsame Arbeitsgrundlage, auf die alle Kolleginnen und Kollegen Bezug nehmen.
  • Ausstattungskonzept: Auf Grundlage des entwickelten Medienbildungskonzeptes und einer Bedarfsanalyse der zukünftigen Nutzung lässt sich ein Ausstattungskonzept erstellen, das die erforderlichen Arbeitsplätze, den Hard- und Softwarebedarf sowie Anforderungen an Netzwerk, Breitbandanschluss und Server dokumentiert. Es beinhaltet auch die Wartung der IT-Systeme und -Ausstattung sowie die systemadministrative Betreuung.
  • Fortbildungskonzept: Das Fortbildungskonzept beinhaltet die Fortbildungsplanung mit dem Schwerpunkt Medienbildung. Regelmäßige und zum Teil auch verpflichtende Fortbildungen der Lehrkräfte und des pädagogischen Fachpersonals, aber auch der Schulleitung, sind eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung des Medienbildungskonzepts. Das Fortbildungskonzept sollte vorhandene Kompetenzen berücksichtigen und den Entwicklungsprozess kontinuierlich begleiten. Dabei ist ein mehrstufiges und flexibles Fortbildungssystem, das verschiedene Fortbildungsformate beinhaltet, zu empfehlen. Dazu gehören beispielsweise kollegiale Beratung und schulinterne Fortbildungen (Schilf) oder auch externe Beratung und Fortbildungen.

Wurde die Bestandsaufnahme erfolgreich durchgeführt, ist der Abgleich mit den KMK-Standards in den Fachbereichen erfolgt und das Medienbildungs-, Ausstattungs- und Fortbildungskonzept angepasst, kann entsprechend der identifizierten Entwicklungsfelder ein Maßnahmenplan erarbeitet werden, um die Anforderungen der KMK-Strategie sukzessive umzusetzen. Dieser legt Verantwortlichkeiten, Termine und die erwarteten Ergebnisse fest. Verantwortlich für ein Finanzierungskonzept und die Beschlussfassung des Medienentwicklungsplans zeichnen sich Schulträger und Schule. Wichtig ist es, sobald der Prozess angestoßen wird, den Schulträger zu informieren und fortan in die Prozessentwicklung und -umsetzung mit einzubinden, aber auch die Rahmenbedingungen des Schulträgers zu kennen und zu berücksichtigen. Unter Umständen reicht schon ein Medienbildungskonzept mit eindeutigen Prioritäten und abgestimmt auf den KMK-Kompetenzrahmen, um in erste Gespräche mit dem Schulträger zu treten. Das Finanzierungskonzept umfasst Kostenplan und -schätzung sowie eine Haushaltsplanung einschließlich Investitions- und laufender Kosten. Die Diskussion, Verabschiedung und Beschlussfassung erfolgt schließlich durch die schulischen Mitwirkungsgremien und den Schulträger.

 

Aspekte für eine gelungene Implementierung der KMK-Standards

Die Einrichtung einer Steuergruppe, die durch die Gesamtkonferenz legitimiert ist und aus einer Schulleitungsvertretung sowie Vertretungen der verschiedenen Fachbereiche und dem pädagogischen Personal besteht, ist maßgeblicher Erfolgsfaktor für die Entwicklung eines Medienentwicklungsplan. Diese nimmt als zentrale Aufgabe die Koordinierung zwischen den einzelnen Fachkonferenzen wahr und sollte daher in diesem Vorhaben vom gesamten Kollegium sowie der Schulleitung konsequent unterstützt werden. Idealerweise werden in den gesamten Entwicklungsprozess mutige und motivierte Kolleginnen und Kollegen involviert, da es sich um ein Aufgabenfeld handelt, in dem Entwicklungen angestoßen werden müssen und vereinzelt mit Gegenwind zu rechnen ist. Auch die Einsicht, dass es sich bei der Umsetzung eines verbindlichen Medienentwicklungsplanes um einen Prozess handelt, der ausreichend Zeit und Geduld benötigt, sollte von den verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen verinnerlicht werden.

Eine Dokumentation und auch Visualisierung der Arbeitsschritte und Verabredungen ist unerlässlich, um den Schulentwicklungsprozess möglichst transparent abzubilden und den Dialog zu ermöglichen. Deshalb sollte auch hierfür immer ein Verantwortlicher festgelegt werden.
Auch eine Öffnung in das schulische Umfeld, durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern der Medienbildung, Hochschulen, externen Experten oder Referenzschulen für Medienbildung, ist zu empfehlen. Ebenso wie die Arbeit mit den Erziehungsberechtigten und den Schülerinnen und Schülern selbst.

Interessante Internetportale und Materialien zur Implementierung der KMK-Standards

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