Inspiration durch Maker-Space und Schulbesuch

Auf dem jeweils dritten Netzwerktreffen arbeiteten die teilnehmenden Schulen an ihren Projektvorhaben und probierten verschiedene digitale Tools aus. Neben fachlichem Input bekamen sie spannende Einblicke in die digitalen Unterrichtsangebote einer Netzwerkschule.

Im April kamen die teilnehmenden Schulen aus den Netzwerken I und II zu ihrem jeweils dritten Netzwerktreffen des Programms „bildung.digital – Netzwerk ganztägig lernen“ zusammen. Seit Ende 2017 arbeiten die Schulen im Rahmen des Programms in insgesamt vier Netzwerken an ihren Projektvorhaben zur Umsetzung digitaler Bildung. Für fachlichen Input, Erfahrungsaustausch und um ihre Projekte voranzubringen, trafen sich die teilnehmenden Schulleitungen, Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal aus Netzwerk I am 19. und 20. April 2018 in Fulda. Vom 26. bis 27. April kamen Vertreterinnen und Vertreter des Netzwerks II in Halle zusammen.

Programmieren mit dem Filzstift

Am jeweils ersten Tag der beiden Netzwerktreffen lernten die Teilnehmenden spannende digitale Tools und Methoden kennen und konnten diese in Mini-Maker-Spaces auch gleich ausprobieren. Für Faszination sorgten dabei unter anderem die kleinen Ozobots, die für den Einstieg sogar ganz ohne Computer auskommen. Die kleinen Roboter mit eingebautem Akku, zwei motorbetrieben Rädern und fünf Farbsensoren können ganz niedrigschwellig über Farb-Codes programmiert werden. Sie folgen Linien, die mit einfachen Filzstiften auf ein Blatt Papier gemalt werden und führen je nach Linienfarbe unterschiedliche Aktionen wie Anhalten, Richtungswechsel oder Geschwindigkeitsanpassungen aus. Zudem ist es möglich, sie mit einer grafischen Programmiersprache zu steuern und so tiefer ins Thema Algorithmen und Programmieren einzusteigen. So lassen sich spielerisch und je nach Aufgabenstellung auf verschiedenen Niveaus Kompetenzen in MINT-Fächern und im Bereich Medien sowie darüber hinaus auch Teamfähigkeit und Sozialkompetenz vermitteln und üben.

In einem weiteren Maker-Space konnten die Lehrkräfte das Quiz-Tool „Plickers“ ausprobieren. Dabei erstellt die Lehrkraft ein Online-Quiz, das die Schülerinnen und Schüler im Unterricht beantworten. Dies funktioniert mithilfe von analogen Abstimmungskarten, die einen QR-Code enthalten. Die Lehrkraft kann dann per Smartphone oder Tablet den Wissenstand der Schülerinnen und Schüler individuell erheben.

Inspiration aus den Maker-Spaces

Wie bereits Ende Februar auf den Treffen der Netzwerke III und IV lag der Fokus des ersten Tages zudem auf den Veränderungsvorhaben der Schulen. Mithilfe der „Vier Zimmer der Veränderung“, einem Instrument aus dem Change-Management, kann der Ablauf von Veränderungs- und Innovationsprozessen unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessen und Befindlichkeiten der Beteiligten beschrieben werden. Dies ermöglicht transparente und nachhaltige Veränderungsprozesse, die von allen Beteiligten nachvollzogen und getragen werden. Die Schulteams analysierten so ihre jeweiligen Projektvorhaben und entwickelten individuelle Maßnahmen, um diese an ihrer Schule weiter voranzubringen.
 

Schulbesuche in Fulda und Halle

Das Programm des zweiten Tages bot neben fachlichem Input und vielen Gelegenheiten zum Austausch auch die Möglichkeit, Ausschnitte aus Schulalltag und Unterricht aus jeweils einer Schule des Netzwerks zu erleben. Das Netzwerk I besuchte die Bardoschule Fulda, die ihr Medienbildungsprojekt #seiSmart vorstellte und deren „Smartagents“ eine Beispielstunde gaben. Der fachliche Input durch Henning Host vom Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) der Universität Köln, konzentrierte sich anschließend auf die Konzeption digitaler Unterrichtsangebote. Hierbei stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Lehrkräfte digitale Tools und Apps bewerten können, um Anwendungen didaktisch sinnvolleinzusetzen. Das vorgestellte Analyseverfahren für digitale Tools und Produkte fragt dafür verschiedene Bewertungskriterien ab und ermöglicht eine bessere Bewertung durch einen Perspektivenwechsel zwischen Lehrkraft, Lernenden und Eltern.

Die Teilnehmenden des Netzwerks II trafen sich an der Heinrich-Heine-Schule in Halle und hatten an unterschiedlichen Stationen die Gelegenheit, bereits an der Schule etablierte digitale Methoden und Anwendungen im Unterricht zu erleben. So findet beispielsweise der Geografieunterricht mithilfe von der App Google Expeditionen und VR-Brillen in 3D und der Musikunterricht im Tonstudio statt. Im Anschluss an den zweistündigen Schulbesuch berichtete Björn Nölte, Oberstufenkoordinator an der Voltaireschule Potsdam, von seinen Erfahrungen mit verschiedenen digitalen Methoden, die er in seinem Unterricht bereits erfolgreich anwendet. Er lässt seine Schülerinnen und Schüler selbstständig entscheiden, wie sie Aufgaben digital bearbeiten wollen. So können die Lernenden ihren individuellen Lernweg gehen und digitale Tools entsprechend ihrer Bedürfnisse nutzen. Weitere spannende Ansätze zeitgemäßer digitaler Bildung sind die Einbindung von WhatsApp für die Erstellung eines Hörguides für einen Museumsbesuch, Geschichtsunterricht mit digitalen Tagebüchern und das Publizieren von Texten aus dem Deutschunterricht auf medium.com. 

Konzeption digitaler Unterrichtsangebote, Henning Host, Zentrum für LehrerInnenfortbildung

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