Individualisiertes Lernen mit dem Tablet

Die Dr.-Mehler-Schule in Georgensmünd mit dem Schulprofil Inklusion setzt iPads für das individualisierte Lernen, Üben, Recherchieren und Präsentieren im Unterricht einer Ganztagsklasse der Grundschule ein.

Schülerinnen und Schüler mit Tablet im Unterricht

Als Grund- und Mittelschule mit dem Schulprofil Inklusion steht die Dr.-Mehler-Schule Georgensmünd in besonderem Maße vor der Herausforderung, Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf das gemeinsame Lernen zu ermöglichen. Jedes Kind soll hier entsprechend seiner Voraussetzungen angenommen und in seinen Fähigkeiten gefördert werden. Um eine individuelle Förderung aller Lernenden zu ermöglichen, setzt die Referenzschule für Medienbildung im Rahmen ihrer Teilnahme an „bildung.digital – Netzwerk ganztägig bilden“ bereits seit April 2018 auf ein neues Unterrichtskonzept: In einer damals dritten Klasse im Ganztagsbereich der Schule werden Tablets als zusätzliches Arbeitsmittel im Unterricht eingesetzt. Dabei stellt die Schule den 17 Kindern der Klasse jeweils ein eigenes Gerät zur Verfügung. Auf diese Weise sollen den Schülerinnen und Schülern an ihren jeweiligen Leistungsstand angepasste Lern- und Übungsmöglichkeiten geboten werden.
 

Individuelle Förderung ermöglichen

Für die Verwendung speziell in der Grundschule eignen sich die Tablets deshalb besonders gut, weil sie direkt im Klassenraum verfügbar sind und auch einzeln herausgegeben werden können. In der Vergangenheit nutzte die Klasse für den Unterricht mit allen Schülerinnen und Schülern gemeinsam einen der PC-Räume an der Schule, der jedoch immer auch erst gebucht werden musste. Die Tablets dagegen lassen sich im Unterricht flexibel und dynamisch nutzen. Beispielsweise, wenn am Ende einer Stunde noch zehn Minuten für spontanes Üben übrig bleiben. Oder um schnelleren Schülerinnern und Schülern Zusatzaufgaben zu ermöglichen, die genau auf deren Leistungsstand angepasst sind, während andere Schüler noch Unterstützung durch die Lehrkraft benötigen. An der Dr.-Mehler-Schule werden die Lehrkräfte durch einen Förderlehrer unterstützt, der stundenweise in den Klassen eingebunden ist und in der Modellklasse auch bei Fragen oder der Bedienung der Tablets unterstützt. So kann optimal auf die individuellen Stärken und Schwächen der Kinder eingegangen werden.
Wichtig ist für die Dr.-Mehler-Schule aber auch, dass die iPads weder zum Selbstzweck werden dürfen, noch Allheilmittel sind. Sie stellen lediglich ein zusätzliches Arbeitsmittel dar, das zweckmäßig und mit Bedacht in den Unterricht integriert werden kann.

Wir möchten den Kindern das Tablet als ein nützliches Werkzeug zeigen und nicht als ein Spielgerät. Wir wollen ihnen beibringen, dass man mit dem Gerät wirklich arbeiten, lernen und üben kann. Jedes Kind kann daran konzentriert in seinem eigenen Tempo arbeiten, wird mit passenden Übungen gefördert und kann so den sinnvollen Umgang mit diesem Gerät einfach kennenlernen.

Ursula Amler, Konrektorin und Tandempartnerin in der Modellklasse

Ausgewählte Apps werden intensiv genutzt

Auch die auf den Tablets genutzten Anwendungen werden mit Bedacht ausgewählt. Zwar halten die am Projekt beteiligten Lehrkräfte ihre Augen stets nach neuen Angeboten offen, setzen angesichts der Vielzahl der im Unterricht einsetzbaren Programme aber auf wenige bewährte Tools. Die Kinder müssen sich so nicht ständig in neue Apps oder Web-Portale einarbeiten und haben mehr Zeit zum Üben mit den bereits bekannten Anwendungen.
Individualisiertes Lernen findet in der Klasse unter anderem mit Hilfe des Online-Portals Sofatutor statt, das zahlreiche Erklärvideos und dazugehörige Übungen zu verschiedenen Themen bietet. Die Kinder können über die Tablets auf für sie freigeschaltete Lehrfilme eigenständig zugreifen und die dazugehörigen Übungen machen.
Zum digitalen Üben nutzt die Dr.-Mehler-Schule neben verschiedenen Oriolus-Lernprogrammen das zum Lehrwerk (Zahlenbuch) gehörende Blitzrechenprogramm und beispielsweise auch Schlaukopf.de, das über den Browser und auf dem Tablet auch als App verfügbar ist. Das Lernportal bietet zu nahezu allen Themen, die den Schülerinnen und Schülern in der Schule begegnen, zahlreiche Übungsfragen. Nach dem Multiple-Choice-Prinzip wählen die Kinder jeweils eine Antwort aus und erfahren direkt, ob diese stimmt oder nicht. Nachdem Schlaukopf.de in der Klasse bislang zentral über das Smartboard genutzt wurde, können die Kinder auf ihren iPads nun auch selbstständig mit dem Portal üben. Dabei erhalten sie eine individuelle Rückmeldung, was sie schon gut können und woran sie noch arbeiten müssen. Über die Suchmaschine Blinde Kuh nutzen die Kinder die Tablets auch zu Recherchezwecken und erstellen mittlerweile auch eigene Präsenationen über die App Book Creator.
 

Kostenübernahme durch den Förderverein

Bevor es an die Anschaffung der iPads ging, holte die Dr.-Mehler-Schule Informationen und Erfahrungen von Schulen ab, die bereits Tablets im Unterricht einsetzen. Eine Steuergruppe bestehend aus Klassenleitung, medienaffinen Lehrkräften und Schulleitung entschied über Art und Einsatz der Tablets und stellte das Projekt in einer Lehrerkonferenz auch dem restlichen Kollegium vor. Finanziert wurden die über ein regionales Unternehmen angeschafften iPads vor allem durch den Schulförderverein sowie durch den Schulaufwandträger der Gemeinde Georgensmünd. Lediglich die Kopfhörer, die die Kinder für das individuelle Arbeiten innerhalb des Unterrichts benötigen, wurden von den Eltern selbst angeschafft. Bei einem Elternabend wurden auch diese vorab über die Anschaffung der Tablets informiert. Da die iPads Schuleigentum sind, verbleiben sie stets vor Ort in der Schule. Gelagert werden sie in Aufbewahrungsboxen im Klassenzimmer, in denen sie gleichzeitig aufgeladen werden, sodass sie immer einsatzbereit sind. Bürokratischer Aufwand zwischen Schule und Eltern, beispielsweise Nutzungsverträge, fiel daher nicht an. Und sollten einmal größere Probleme auftreten, die der schulinterne Systembetreuer nicht lösen kann, übernimmt der Anbieter der Geräte die technische Wartung. Wichtig ist allerdings eine stabile WLAN-Verbindung im Klassenraum, da die meisten Lernprogramme eine Anbindung ans Internet erfordern. Dies löst die Schule durch zusätzliche Access Points.
Entsprechend der einfachen Handhabung der Tablets benötigten die Kinder vorab keine aufwändige Einweisung und konnten direkt mit dem Üben starten, nachdem sie die grundsätzliche Bedienung und die zuvor installierten Lernapps mit ihren Lehrkräften ausprobiert hatten. Um zu verhindern, dass sie dennoch versehentlich eine App löschen oder unerwünschte Programme herunterladen, wurden die Nutzungsoptionen in den Einstellungen vorab entsprechend eingeschränkt und der Zugriff auf unerwünschte Internetseiten verwehrt.

Die Schülerinnen und Schüler der Modellklasse testen den Einsatz der Tablets über den Projektzeitraum von „bildung.digital – Netzwerk ganztägig bilden“ noch bis Ende 2019. Nach dieser Zeit sollen die Tablets auch in den anderen Ganztagsklassen der Grundschule zur Nutzung kommen.

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