Eltern an Bord beim Medienschutz

Den Jugendmedienschutz sieht die Hessische Mittelpunktschule Hartenrod als gemeinschaftliche Aufgabe von Schule und Eltern. Doch Eltern sind oft nicht so leicht zu erreichen. Das brachte die Schule auf eine neue Idee. 

Bereits ab der vierten Klasse besitzt annähernd jedes Schulkind ein Handy, die meisten davon sind internetfähige Smartphones. Diese neuen Medien beinhalten nicht nur Chancen, sie bringen Schwierigkeiten mit sich, die die Schülerinnen und Schüler oft selbst nicht überblicken können. Lehrkräfte und Eltern erfahren in vielen Fällen erst spät von Konfliktfällen wie Datenschutzverstößen, Cybermobbing oder Sexting.

Die Kinder auf die Zukunft vorzubereiten hat oberste Priorität. Der Umgang mit neuen Medien ist Teil des Erziehungsauftrags, dem Schulen sich nicht verschließen können.

Petra Caspers-Naujoks, Schulleiterin
Familie mit drei Kindern Hand in Hand

Die Lehrkräfte der Mittelpunktschule Hartenrod sehen in der Vermittlung einer verantwortungsbewussten Mediennutzung einen gemeinsamen Bildungsauftrag von Schule und Elternhaus: Die Eltern sind es, die internetfähige Geräte für ihre Kinder anschaffen, die Nutzung in der Freizeit im Auge behalten und auf jugendgefährdende Inhalte achtgeben müssen sowie auch Werte des sozialen Umgangs vermitteln. Dies ergänzt die Schule mit Bildungsangeboten zu Themen wie Datenschutz oder dem Schutz der Privatsphäre und auch Aufklärung zum Umgang mit Cybermobbing oder Sexting. Erst wenn all dies zusammenkommt, können sich die Schülerinnen und Schüler verantwortungsvoll im Internet bewegen.

Der Bildungserfolg ist am größten, wenn Eltern und Schule zusammenarbeiten. Ohne die Eltern geht es nicht: Wir können nicht begleiten, was außerhalb der Schule passiert.

Karl-Heinz Hedderich, Medienschutzbeauftragter

Um die Eltern beim Jugendmedienschutz mit ins Boot zu holen, hatte der Elternbeirat der Mittelpunktschule Hartenrod bereits vor zwei Jahren beschlossen, dass zu Beginn der Klassenstufen 4, 5 und 7 Elternabende zur Nutzung neuer Medien stattfinden sollten. An Themen mangelte es nicht – nur an den Eltern selbst fehlte es häufig. „Leider mussten wir feststellen, dass die engagierten Eltern – wie so oft – kommen und Eltern, für die diese Informationen ebenso wichtig wären, nicht erschienen“, berichtet Carmen Plitt, Vertrauenslehrerin an der Mittelpunktschule Hartenrod.
 

Elternabende von Kindern gestaltet

In einem anderen Zusammenhang machte die Schule die Erfahrung, dass Eltern zahlreicher zu Elternabenden erscheinen, wenn ihre Kinder bei der Gestaltung des Abends einbezogen werden. So kam die Idee auf, dies auch bei den Elternabenden zu neuen Medien auszuprobieren. Der Elternbeirat sammelte zu diesem Zweck für die Eltern relevante Themen, die an den Elternabenden behandelt werden sollten. Auf der umfassenden Liste stehen unter anderem Verhaltensregeln im Internet, Sicherheitseinstellungen in Apps und am Smartphone, Privatsphäre und Datenschutz, Suchtpotenzial und Geldfallen sowie rechtliche Konsequenzen, zum Beispiel im Falle illegaler Downloads.  

Aus der Themenliste werden nun die Punkte ausgewählt, die auch für die Schülerinnen und Schüler direkt relevant und interessant sind. An zwei Projekttagen widmen sich die Schülerinnen und Schüler der Ausarbeitung dieser Themen – ihre Ergebnisse stellen sie am anschließend stattfindenden Elternabend vor.  

Auf diese Weise erreicht die Schule gleich zwei zentrale Ziele und schafft einen Mehrwert für alle Seiten: Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich Wissen und Kompetenzen zu wichtigen Aspekten einer verantwortungsbewussten Mediennutzung und lernen dies zu präsentieren. Für die Eltern ergibt sich ein zusätzlicher Anreiz, am Elternabend teilzunehmen, ihr eigenes Wissen zu erweitern und auch aktiv am Schulleben ihrer Kinder teilzuhaben. 

Durch die neu gestalteten Elternabende erhoffen wir uns eine bessere Erreichbarkeit der Eltern. Unser Ziel ist es, dass die Eltern ihre Kinder enger bei der Nutzung neuer Medien begleiten und negative Vorfälle wie zum Beispiel Cybermobbing dadurch abnehmen.

Petra Caspers-Naujoks, Schulleiterin

Die Idee wird in diesem Schuljahr zunächst mit den 5. Klassen ausprobiert, später sollen die 7. Klassen hinzukommen. Noch arbeitet das Schulteam die Idee der neuen Elternabende aus – vielversprechend ist sie allemal. 

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