Jedes Kind dort abholen, wo es steht
Die Ganztagsschule Appelhoff liegt im Hamburger Stadtteil Steilshoop, einem Quartier mit dem niedrigsten Sozialindex der Stadt. Rund 250 Schüler:innen besuchen die dreizügige Grundschule mit zwei Vorschulklassen, die als vollgebundene Ganztagsschule organisiert ist. Das bedeutet: Die Kinder lernen und leben hier täglich von 8 bis 16 Uhr gemeinsam. Unterstützt werden sie von einem multiprofessionellen Team aus Lehrkräften, Sozialpädagoginnen, einer Schulsozialarbeiterin, Sonderpädagog:innen und weiteren Fachkräften.
Als „Alleskönnerschule“ arbeitet die Schule mit Kompetenzrastern statt Noten und setzt auf eine individuelle Förderung. Ziel ist es, jedes Kind dort abzuholen, wo es steht, und es bestmöglich in seiner persönlichen und sprachlichen Entwicklung zu begleiten.
Sprache im Wandel
An der Schule spielt Sprachbildung eine zentrale Rolle – nicht zuletzt aufgrund der heterogenen Schüler:innenschaft. Viele Kinder wachsen mehrsprachig auf und verfügen beim Schuleintritt über einen begrenzten deutschen Wortschatz. „Wir müssen alles erklären, weil wir nichts als selbstverständlich nehmen können“, beschreibt Anna Pohl die tägliche Herausforderung. Zugleich verändere sich Sprache spürbar: Computerspiele, soziale Medien und digitale Trends prägen zunehmend den Ausdruck und das Sprachverständnis der Kinder. Diese Entwicklung beobachten die Lehrkräfte aufmerksam und nutzen sie, um Sprache im Unterricht lebensnah aufzugreifen.
Mehrsprachigkeit – zwischen Chance und Herausforderung
Die Schule Appelhoff erlebt täglich, wie unterschiedlich sich Sprachentwicklung vollzieht. Sie hängt stark davon ab, wie viel sprachliche Unterstützung Kinder zu Hause erhalten. Ab etwa der vierten Klasse wird deutlich, wie groß die Unterschiede sein können: Manche Kinder entwickeln sich rasant, andere verlieren sprachlich den Anschluss.
Viele Familien sprechen mehrere Sprachen gleichzeitig, oft in einem sprachlich gemischten Alltag, in dem keine Sprache vollständig beherrscht wird. Auch Eltern benötigen daher häufig sprachliche Unterstützung. In Elterngesprächen mit Dolmetscher:innen zeige sich immer wieder, so die Lehrkräfte, dass sich selbst in den Familiensprachen Brüche ergeben – was die schulische Förderung zusätzlich erschwert.
„Sprache hat für viele Kinder keine Bedeutung mehr“, erklärt Cornelia Zimmermann. Viele äußern sich in kurzen Sätzen und bewegen sich in Umfeldern, in denen sie auch mit begrenztem Wortschatz verstanden werden. Dabei reflektieren sie kaum, so die Lehrerin weiter, wie wichtig Sprache für den weiteren persönlichen und beruflichen Werdegang ist.
Digitale Medien als Brücke zur Sprachförderung
Um Kinder beim Spracherwerb gezielt zu fördern, nutzt die Schule digitale Lernwerkzeuge und kreative Unterrichtsansätze. Sie stellen dabei nicht nur eine Entlastung für die Kolleg:innen dar, sondern ermöglichen ihnen auch neue Wege, den Wortschatz und das Sprachbewusstsein der Kinder spielerisch zu erweitern. Besonders digitale Lernspiele fördern Motivation und Eigenständigkeit.
Ein Beispiel zeigt, wie wirkungsvoll digitale Lernangebote sein können: Eine Schülerin arbeitete zu Hause fleißig mit der Lern-App Anton und machte deutliche Fortschritte in ihrer Sprache. „Wir haben gemerkt, dass sie motivierter war, am mündlichen Unterricht teilzunehmen. Vorher war sie eher unsicher, weil sie Angst hatte, Fehler zu machen“, so Susanne Schmalz. Auch die Unterstützung durch ihre Eltern trug entscheidend zu ihrem Lernerfolg bei und verdeutlicht einmal mehr, welch großen Einfluss die familiäre Begleitung für die Sprachentwicklung hat.
Neben Anton nutzt die Schule auch Deutschfuchs – insbesondere im Anfangsunterricht, wenn Kinder noch kein Deutsch sprechen. Die App vermittelt erste Sätze und Begriffe auf einfache und motivierende Weise. Beliebt sind auch die Tellimero-Lernstifte, mit denen Kinder Texte anhören und ihre Aussprache trainieren können. Der Stift hat einen hohen Aufforderungscharakter, ist leicht zu bedienen und stärkt das selbstständige Lernen, so Cornelia Zimmermann.
Und auch in der Kommunikation mit Eltern helfen digitale Tools, wie die drei Lehrerinnen betonen: Über die App SchoolFox können beispielsweise Nachrichten automatisch übersetzt werden. Dies stelle eine wichtige Unterstützung dar, um Familien eng einzubinden und Sprachbarrieren abzubauen.
Eine digitale Kultur im Kollegium
Auch im Kollegium ist die Arbeit mit digitalen Medien fester Bestandteil des Schulalltags. Digitale Werkzeuge erleichtern die Organisation und Zusammenarbeit: Ablaufpläne, Protokolle und das schulinterne Teambuch werden in TaskCards gepflegt. Das Tool wurde im Rahmen eines Teamtages eingeführt und wird seitdem kontinuierlich genutzt und erweitert.
Auch in Team-Teaching-Situationen werden Plattformen wie Sofatutor gemeinsam eingesetzt. Kolleg:innen lernen dabei voneinander, übernehmen Ideen und entwickeln eigene digitale Unterrichtsformate weiter.
Des Weiteren bietet die Schule regelmäßig einen Open Space mit Mikrofortbildungen an. In kurzen, praxisnahen Sessions tauschen sich Lehrkräfte zu digitalen Themen aus und teilen ihr Wissen untereinander. Die hohe Beteiligung zeigt: Digitalität ist an der Ganztagsschule Appelhoff längst Teil der gelebten Lernkultur – bei Kindern ebenso wie im Team.